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Erektile Dysfunktion


Früchte und Rotwein senken das Risiko
Seit den 80er Jahren häufen sich Meldungen über die positiven Eigenschaften, die Polyphenole auf die menschliche Gesundheit ausüben können. Sie scheinen - aktuellen Daten zufolge - aber auch einen protektiven Einfluss auf die erektile Dysfunktion des Mannes zu besitzen. Flavonoide sind die in der Nahrung am häufigsten vorkommenden Polyphenole. Sie finden sich in vielen Früchten, in Rotwein und Tee. Ihnen werden insbesondere antioxidative Eigenschaften zugeschrieben.

Epidemiologische Studien haben zeigen können, dass Flavonoide, die über Lebensmittel zugeführt werden, mit einer Risikosenkung für Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie bestimmte Krebskrankheiten (Lunge, Dickdarm) assoziiert sind. Eine in Finnland durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine als hoch eingeschätzte Zufuhr von Flavonolen und Flavanolen mit einem verringerten Risiko für Schlaganfall korreliert (Mursu et af. Br. J Nutr. 100 (2008) 890-895). Eine kombinierte Auswertung der Nurses' Health Study II sowie der Health Professionals Follow-Up Study ergab ein signifikant verringertes Hypertonierisiko bei entsprechend hoher Zufuhr von Anthocyanen aus Lebensmitteln. In mehreren epidemiologischen Studien korrelierte die Flavonoidaufnahme invers mit dem Sterblichkeitsrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Verschiedene Flavonoide können über eine Hemmung des Arachidonsäurestoffwechsels die Blutgerinnung beeinflussen.

Eine Meta-Analyse von prospektiven Studien bestätigt den Zusammenhang zwischen erhöhter Flavonoidzufuhr und einem verringerten Risiko für Schlaganfall (Hoffmann PCH Et af. J Nutr. 140 (2008) 600-604). Allerdings wird das Ausmaß dieser Effekte durch Lebensstilfaktoren wie Rauchen und Adipositas beeinflusst. Nachdem in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl an experimentellen Untersuchungen zur Erfassung der potenziellen Wirkungen von Flavonoiden und der zugrunde liegenden Mechanismen durchgeführt wurde, liegt der Fokus der aktuellen Forschung auf der Durchführung von umfangreichen prospektiven Kohortenstudien.

Drei Flavonoide sind besonders effektiv
Ob Polyphenole aus der Nahrung auch gegen die erektile Dysfunktion beim Mann protektive Wirkung besitzen, haben Professor Dr. Aedin Cassidy von der University of East Anglia in Norwich und ihre Kollegen in einer großen populationsbasierten Studie untersucht. Die Erhebung, an der ursprünglich mehr als 50.000 Männer beteiligt waren, hatte bereits 1986 begonnen. Die jetzt publizierten Daten beruhen auf Angaben von 25.096 Männern mittleren Alters, die seit dem Jahre 2000 in regelmäßigen Zeitabständen zu Potenzproblemen, Ernährungsgewohnheiten, Körpergewicht, Sport und anderem befragt wurden. Während des Studienzeitraums von zehn Jahren trat bei mehr als einem Drittel der Teilnehmer eine erektile Dysfunktion auf. Wie die Untersuchung ergab, haben sich insbesondere drei Flavonoide als bei Erektionsstörungen vorteilhaft herausgestellt, die in vielen Früchten, aber auch in Rotwein enthalten sind, nämlich

  • Anthocyane,
  • Flavanone und
  • Flavone.

Männer, die regelmäßig Lebensmittel verzehrten, die reich an diesen Flavonoiden sind, hatten ein um 14 Prozent geringeres Risiko für die Entwicklung einer Impotenz - und zwar schon bei nur wenigen Portionen entsprechender Lebensmittel pro Woche. Die Wirkung wurde sogar noch erhöht, wenn sie zusätzlich körperlich aktiv waren: Schon moderates Bewegungstraining reichte aus, um den Effekt auf 21 Prozent zu steigern. Die Potenz von Männern unter 70 Jahren profitierte besonders stark von der flavonoidreichen Ernährung.

Es ist zwar bekannt, dass flavonoidreiche Lebensmittel das Risiko verschiedener Krankheiten senken können, wie zum Beispiel von Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen - so die Autoren - diese Studie ist aber die erste, die einen Zusammenhang zwischen flavonoidreichen Lebensmitteln und erektiler Dysfunktion untersuchte. Immerhin betrifft eine Erektionsstörung die Hälfte aller Männer ab dem mittleren Alter.

Lajos Schöne

Quelle: Cassidy E. A. et al., Am J Clin
Nutr doi: 10.3945/ajcn.115.122010
Bildnachweis: fotolia_PhotoSG

Phytokompass 2 (2016) ©Komitee Forschung Naturmedizin

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